Berufstätig mit Hund! Geht das überhaupt? Warum müssen wir uns dieser Frage eigentlich stellen? War das früher denn auch schon so und welche Möglichkeiten gibt es den Traum vom Hund trotz Berufsleben Realität werden zu lassen?

Die neue Rolle des Hundes in unserem Leben

Vor einiger Zeit habe ich in der Zeitung von der „deutschen Standard Frau-Mann-Hund-Familie“ gelesen und musste schmunzeln. Der Unterschied zwischen Lachen und Schmunzeln ist ja der Anteil des Nachdenkens. Und auch wenn der Begriff zuerst erheiternd klingt, so trifft er doch die familiäre Entwicklung in unserem Land sehr gut. Zum einen bekommen wir immer weniger Kinder und zum anderen gibt es immer mehr Hunde. Die Erklärung liegt scheinbar auf der Hand und ist doch erst einmal verstörend. Der Hund ersetzt zunehmend das Kind in der Familie. Der Hund als Kindsersatz? Wer kennt denn nicht ein kinderloses Paar mit Hund, bei dem sich dieser Gedanke geradezu aufdrängt. Aber vielleicht ist der Begriff „kinderlos mit Hund“ in diesem Zusammenhang bereits ein Widerspruch in sich? Aber auch Familien mit Kind stellen sich die Frage: Noch ein Kind oder doch lieber einen Hund?

Der Hund im obskuren Früher

Früher hatte der Schäfer einen Hund zum Herdentrieb, der Jäger hatte einen Jagdhund, der Polizist einen Polizeihund und der Bauer einen Wachhund im Hof. Sprich, der Hund hatte eine Aufgabe, die zur Erfüllung der Tätigkeit seines Frauchens, respektive Herrchens, notwendig oder zumindest zuträglich war. Entsprechend war der Hund Teil der Berufstätigkeit und kreiste nicht darum wie ein Sputnik. Der Hund als Sozialpartner ohne definierte Tätigkeit war den betuchteren Familien vorbehalten. In unserer heutigen Zeit hat sich das Blatt gedreht und der Hund als Sozialpartner, also als vollwertiges Familienmitglied ist zum neuen Standard geworden, der Gebrauchshund darbt dagegen sein quantitatives Nischendasein. Erst diese Entwicklung brachte entsprechend die Frage auf, ob Berufstätigkeit und Hund überhaupt vereinbar sei.

Warum wir berufstätig sind

Ein Unterschied zum Kind ist natürlich, dass unser Hund niemals „erwachsen“ wird im Sinne, dass er jemals für sich selbst sorgen könnte, geschweige dass er im Alter für uns sorgt. Hier ist es geradezu anders herum. Der Hund hat Bedürfnisse die bis zu seinem Lebensende erfüllt werden müssen und je mehr „Familie“ er ist, desto mehr Bedürfnisse unterstellen wir unserem Hund. Das ist dann wie Weihnachten. „Geben ist seliger denn nehmen“, denn das Schenken macht bekanntlich bedeutend mehr Spaß als beschenkt zu werden. Bloß der Spruch „die Geste zählt“ funktioniert nicht. Denn für wie schlau wir unsere Hunde auch halten, mit Gesten kann er nichts anfangen. Von Gesten wird er nicht satt und von Gesten wird er auch nicht gesund oder erzogener. Da muss dann schon was Substanzielleres her.

Substanzielles kostet jedoch oftmals Geld. Womit wir den Kreis zur Berufstätigkeit geschlossen haben. Denn wer aus einem glücklichen Zufall heraus nicht in Reichtum hinein geboren wurde muss sich das Geld wohl erarbeiten. Doch möchte ich unseren geliebten Vierbeiner nicht als Buhmann (oder Buhhund?) dastehen lassen, denn er ist sicher nicht der Hauptgrund warum die meisten Familien nicht mehr mit einem Alleinverdiener auskommen. An das Substanzielle geht es heutzutage auch schnell durch gestiegene Lebenshaltungskosten, gestiegenes Konsumniveau und Individualisierung, die entsprechend mit dem Wunsch zur finanziellen Unabhängigkeit vom Partner, einhergeht. Nicht zu vergessen diejenigen, die berufstätig sind, weil sie ihre Arbeit einfach gerne machen, sie als Teil ihres Lebens sehen und darin auch einen Beitrag zur Selbstverwirklichung. Bei Singles mit Hund ist das ähnlich. Welcher Alleinstehende kann schon von sich behaupten, dass er nur wegen dem Hund überhaupt arbeiten geht?

Ein Hund für jede Lebensphase

Deswegen ist der Hund bei berufstätigen Paaren und Singles gerade so erfolgreich, denn er ermöglicht einen guten Kompromiss zur Erweiterung des Familienverbandes mit einer notwendigen bzw. gewollten Berufstätigkeit.

Dieser Satz klingt zuerst harmloser als er scheint und das obwohl er die Frage, ob Beruf und Hund überhaupt vereinbar sind, auf den Kopf stellt. Berufstätige holen einen Hund zu sich gerade weil sie arbeiten. Weil die Berufstätigkeit mit Hund so gut funktioniert, so planbar und so erfüllend ist. Weil ein Hund die Selbstverwirklichung, die Karriereplanung, eher zulässt als ein Haus voller Kinder.

Ein Hund kann daher eine wunderbare Möglichkeit für all diejenigen sein, die in ihrer derzeitigen Lebensphase ein Kind zu viel, und kein Kind zu wenig, ist. Aus welchen Gründen auch immer. Die schönste Kombination ist natürlich immer Kind und Hund. Allein schon deswegen, weil ich persönlich jedem Kind wünsche mit einem Hund aufzuwachsen. Es ist nicht einfach, aber Kind, Hund und Beruf funktioniert und können sich für euch zu einem erfüllten Leben ergänzen. Also traut euch! Kind, Beruf und Hund. Wählt mindestens zwei. Aber am besten alle drei.

IMG_7321

Hundebetreuung – Angebot und Nachfrage

Dass Beruf und Hund funktioniert, sehen wir in Deutschland hunderttausendfach. Dies liegt auch daran, dass ein Bedürfnis (die Hundebetreuung) einer finanziell kompetenten Gruppe (berufstätige Hundler), ein breit gefächertes Angebot erzeugt hat.

Im folgeneden zähle ich euch einige Möglichkeiten auf sich mit Hund im Berufsalltag zu koordinieren. Das meiste speist sich aus Erfahrungswerten eines mittlerweile 11 Jahre währenden glücklichen Hundlerlebens gepaart mit Studium, Arbeit, Umzügen und weiteren ganz menschlichen Ereignissen. Eins ist jedoch klar. Noch nie gab es in Deutschland so viele Möglichkeiten Berufstätigkeit und Hund unter einen Hut zu bekommen. Also wenn nicht jetzt wann dann?

Hund und Partner:

Es heißt ja so schön „geteiltes Leid ist halbes Leid“. Natürlich ist die Hundebetreuung kein Leid, aber Beruf und Hund zu koordinieren ist für einen Single nochmal eine ganz andere Hausnummer als für zwei. Stellt also sicher, dass euer Partner zu 100% hinter dem Hund steht und ihr am gleichen Strang zieht.

Alleine bleiben:

Jeder Hund kann lernen für einige Zeit in einer gewohnten Umgebung alleine zu bleiben. Fangt früh damit an das Alleinebleiben zu trainieren. Ihr werdet sehen, dass dies keinen Stress für euren Hund bedeutet, wenn er es gewohnt ist und die Zeit alleine, im Rahmen bleibt. Zwar wäre es schön, wenn unser Vierpfoter nie alleine bleiben müsste, aber hier ist es auch mal notwendig Wunsch und Wirklichkeit miteinander in Einklang zu bringen.

Berufstätig mit Hund: Büro, Homeoffice und Gleitzeit:

Die Entwicklung der Berufszeiten geht immer mehr zu einer größeren Flexibilität hin. Nutzt eventuelle Freiräume in der Gestaltung eurer Arbeitszeiten, um die Zeit alleine oder eine Fremdbetreuung niedrig zu halten. Arbeitet ihr im Homeoffice oder könnt den Hund sogar mit an den Arbeitsplatz bringen, dann vereinfacht sich eure Hundebetreuung natürlich enorm.

Das Hundlernetzwerk:

Sobald ihr mit dem Gedanken spielt euch einen Hund zu zulegen, spätestens jedoch wenn euer neues Familienmitglied eingezogen ist, werdet ihr anfangen euer Netzwerk aufzubauen. Lernt andere Hundler im Hundeverein kennen. Trefft euch mit andern zum Gassigehen. Welche eurer Freunde und Bekannte haben auch einen Hund? Ihr werdet sehen, dass ihr viel Hilfe in eurem Hundlernetzwerk bekommen werdet, auch was das Thema Hundebetreuung angeht. Seien es Tipps und Ratschläge oder eine gegenseitige Hundebetreuung.

Freunde, Familie, Bekannte:

Auch ohne Hund sind viele Menschen echte Hundefreunde und passen gerne mal auf euren Liebling auf. Fragt doch mal welcher eurer Freunde, Bekannte oder natürlich die Familie Lust und die Möglichkeit haben, sich mal um euer neues Familienmitglied zu kümmern. Bald werdet ihr Sprüche wie „wann kommt er denn mal wieder?“ zu hören bekommen. Stellt natürlich sicher, dass euer Hund bei Menschen ohne Hundeerfahrung auch hundegerecht betreut wird.

Hundesitter, Tagesfamilien:

Es gibt viele Menschen, die gerne auf euren Hund aufpassen. Die Möglichkeiten sind groß und reichen von kostenlos, aus Freude am Hund, bis gut bezahlt und professionell. Von Stundenweise mit Abholung von zuhause, bis zur Ganztagsbetreuung mit Übernachtung. Von nur Gassi gehen, bis hin zu komplettem Familienanschluss. Angebote findet ihr natürlich im Internet. Jedoch könnt ihr auch selber Anzeigen schalten. Hier rate ich euch die analoge Kommunikation nicht zu vergessen. Klebt Flugblätter oder schaltet eine Anzeige in der lokalen Tageszeitung. Damit erreicht ihr auch viele Hundeliebhaber, die nicht digital groß geworden sind, aber viel Zeit haben. Ich rede von Rentnern. Auch hier solltet ihr natürlich sicherstellen, dass euer Hund bei Menschen ohne Hundeerfahrung hundegerecht betreut wird.

Hundehotels, Hundepensionen:

Eine teure Variante der Hundebetreuung, jedoch mit einem großen Vorteil für Berufstätige. Die professionelle Veranlagung der Hundehotels und Hundepensionen ermöglichen oftmals eine Planung über Wochen bis Monate im Voraus. Wenn der Hundesitter morgens wegen Krankheit absagt, wird man sich über solch eine Verlässlichkeit freuen. Diese Professionalität gibt es nun einmal nicht zum Nulltarif, sondern muss irgendwie gegenfinanziert werden. Aber Achtung! Die Qualität der Hundehotels und Hundepensionen liegt teilweise weit auseinander. Eine vorherige Begutachtung, ein Kennenlernen und eine Probewoche ist absolute Pflicht.

IMG_6525


Merken

Merken

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on Pinterest