Gestern hatte ich in dem Artikel „Rent-a-dog“ über das Unternehmen BlueBello geführt von Katrin Rösemeier berichtet. Natürlich gab es zahlreiche Reaktionen auf den Artikel, und warum ich so was unterstütze. Ich habe mich bereits gestern Abend auf meiner Facebookseite dazu geäußert. Ich kann euch wirklich nur nahe legen, informiert euch bevor ihr urteilt und glaubt nicht all das was in den sozialen Netzwerken und in der Presse verbreitet wird.

Wie der Zufall es so wollte, hatte ich gestern das Glück mit Frau Rösemeier persönlich zu sprechen und ich habe ihr einige Frage gestellt, die nun hoffentlich auch die letzten Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Frau Rösemeier, können Sie sich und Ihre Vierbeiner kurz vorstellen?

Rösemeier: Natürlich! Ich bin 47 Jahre alt, komme eigentlich aus der Werbebranche und habe seit 37 Jahren Hunde. Zur Zeit habe ich einen Boder-Collie-Mix (7 Jahre), einen Australian Shepherd (5 Jahre), einen Shih Tzu (4 Jahre) und zwei Chihuahuas (2 und 11 Jahre). Mein Border-Mix kam mit 10 Monaten zu mir und hatte damals schon 3 Familien durch, ein trauriges Schicksal.

Was war der ausschlaggebende Punkt BlueBello zu gründen?

Rösemeier: Es gab mehrere Faktoren. Ich habe schon lange mit meinen Hunden Senioren in Altenheimen besucht und es ist einfach so schön zu sehen wie die alten Menschen aufblühen. Weiterhin habe ich in meinem Freundeskreis einige Tierärzte, die mir immer wieder davon erzählten, dass gerade die älteren Kunden Angst haben, was mit dem Tier wird, wenn sie mal nicht mehr sind. Oder das ältere Leute, bei denen gerade der Hund verstorben ist, sich keinen neuen Hund holen wollen, weil sie Angst davor haben, dass er dann irgendwann einmal ins Tierheim muss. Es ist ganz sicher nicht der Fall, dass ich die Idee aus den USA habe und gleiches nun hier machen möchte. Das System in den USA ist außerdem komplett anders und mit BlueBello überhaupt nicht zu vergleichen.

Wie kam es zu dem Namen BlueBello? Bedeutet er etwas?

Rösemeier: Oh ja! Ich habe einen blauen Chihuahua (11 Jahre), der durch einen Gendefekt keine Haare hat. Dadurch ist er nackt. Er heißt Blue, wegen seiner Farbe. Er ist ein richtiger Charakterhund und nach ihm wurde BlueBello benannt.

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Viele Zeitungen betiteln Ihre Partnerhunde als „Miethunde“. Dadurch haben viele Menschen einen falschen Eindruck von Ihrem Unternehmen. Wie gehen Sie damit um?

Rösemeier: Im juristischen Sinne ist das was ich mache eine Vermietung, weil eine monatliche Gebühr anfällt. Für diese monatliche Gebühr erbringe ich eine Vielzahl von Sach- und Dienstleistungen sowie Rücklagen für den Hund, wenn er zurückkommt, denn auch dann muss er noch versorgt werden. Ich versuche die Menschen aufzuklären. Bei meinen Partnerhunden bleibe ich der Eigentümer und die Senioren werden lediglich Besitzer. Es ist sozusagen ein „betreuter Hund“!

Ein weiterer Vorwurf ist, dass die Hunde ständig neue Bezugspersonen haben und rumgereicht werden. Wie lange bleibt ein Hund durchschnittlich in seiner neuen Familie?

Rösemeier: Falsch! Erst einmal möchte ich klarstellen, dass wir keine Hunde in Familien vermitteln, sondern ausschließlich an Senioren. Wenn Familien einen Hund haben möchten, dann können sie sich gerne anderweitig einen holen, aber dann bitte auch ein ganzes Hundeleben lang die Verantwortung übernehmen. Senioren können diese Verantwortung für ein ganzes Hundeleben unter Umständen nicht mehr übernehmen und diese können sich dann an uns wenden. Die Hunde werden auf Lebenszeit vermittelt und nicht monatsweise, wie es in der Presse heißt.

Frage: Als Partnerhund eignet sich nicht jeder Hund. Wonach wählen Sie die zukünftigen Partnerhunde aus? Und ist es richtig, dass alle zukünftigen Partnerhunde, Abgabehunde sind, also Hunde die im Tierheim gelandet wären?

Rösemeier: Ganz genau! Die zukünftigen Partnerhunde stammen alle aus Familien, die aus verschiedensten Gründen, ihr Hunde abgegeben haben. Also, alles Tiere, die tatsächlich sonst im Tierheim wären. Natürlich eignet sich nicht jeder Hund und Welpen kommen gar nicht in Frage. Die Hunde müssen sehr gut erzogen werden und dürfen nicht zu viel Temperament haben. Mit einem lauffreudigen Boder Collie wäre kein Senior glücklich. In der Regel vermitteln wir nur Hunde bis zu 10 kg, weil größere Hunde von Senioren rein krafttechnisch oft nicht händelbar sind.

Frage: Bei Senioren ist oft Demenz ein Problem und viele Menschen fragen sich, ob die Senioren an die Sie Hunde vermitteln, überhaupt in der Lage sind, sich um die Vierbeiner zu kümmern. Dafür gibt es die Vorkontrolle. Wie genau läuft diese ab und worauf achten Sie?

Rösemeier: Durch die Vorkontrollen wird tatsächlich sehr stark selektiert. Manchmal ist es so, dass sich am Telefon alles super anhört und es dann aber nicht ist. Wir fahren zu den Interessenten nach Hause und durchleuchten das komplette Umfeld, einschließlich Nachfragen bei der Familie und sogar dem behandelnden Arzt. Man merkt sehr genau, wo ein Hund hin passt und wo nicht. Und wo es nicht passt, dort wird auch kein Hund hin vermittelt. An Demenz erkrankte Menschen, wird auch kein Hund vermittelt – das macht keinen Sinn. Der Hund muss noch versorgt werden und seine Bedürfnisse befriedigt werden können. Nur mit Streicheln ist es nicht getan.

Die bereits angesprochene Demenz kann auch dazu führen, dass der Senior sich eigentlich gar nicht mehr richtig um den Hund kümmern kann, es sich aber nicht eingestehen will. Wie regelmäßig führen Sie Nachkontrollen, z.B. bei der Futteranlieferung, durch?

Rösemeier: Wir stehen sehr regelmäßig in telefonischen Kontakt mit den neuen Besitzern. Manchmal rufen die Leute einfach nur an und wollen erzählen, was sie wieder tolles mit dem Hund erlebt haben. Zu Weihnachten wurden uns Karten geschickt und zwischendurch immer wieder Fotos. Es ist wie in einer großen Familie und wir wissen immer sehr genau über alles Bescheid. Bei den Futterlieferungen, die so alle 6 -8 Wochen stattfinden, gucken wir natürlich immer nach dem Rechten.

Vermitteln Sie die Partnerhunde ausschließlich an Senioren oder haben Sie auch andere Kunden? Wenn ja, was sind das für Leute, die einen Hund auf Zeit nehmen?

Rösemeier: Wie bereits gesagt, vermitteln wir ausschließlich an Senioren. Es gibt aber auch immer wieder Anfragen von Familien, die das Zusammenleben mit einem Hund mal ausprobieren möchten. Einen Hund in so eine Familie zu vermitteln, kommt für mich überhaupt nicht in Frage. Hunde sind Lebewesen und mit ihnen wird nicht einfach so etwas ausprobiert.

Ich bin mir sicher die Antwort bereits zu kennen, aber ich will die Frage trotzdem stellen: Würden Sie Ihre Hund monats-, wochen- oder gar tageweise zur Verfügung stellen?

Rösemeier: Niemals! Ein Hund ist keine Ware, die herumgereicht wird! Natürlich kann es passieren, dass ich einen Hund vermittelt habe, und der neue Besitzer verstirbt unerwartet. Dann kommt der Hund zu mir zurück. Dieser wird nur erneut vermittelt, wenn es sein gesundheitlicher und psychischer Zustand zulässt. Sonst bleibt er bei mir.

Wie würden Sie reagieren, wenn so ein Unternehmen bei uns entstehen würde?

Rösemeier: Das würde ich nicht gut heißen! Wie bereits gesagt, ein Hund ist ein Lebewesen, das nicht herumgereicht werden darf. Mit unserem BlueBello Konzept wollen wir es eben älteren Menschen noch ermöglichen, mit einem Hund zusammenzuleben.

Zum Abschluss würden mich noch ein paar Zahlen interessieren: Wie viele Partnerhunde haben Sie schon vermittelt? Wie viele von diesen mussten Sie bereits zurückholen?

Rösemeier: Die erste Frage werde ich nicht beantworten, da das zu sehr in mein Geschäft eindringt. Aber ich kann mit Stolz sagen, dass ich bisher keinen Hund zurückholen musste und alle sehr, sehr glücklich mit ihren Hunden sind.

Möchten Sie dem noch etwas hinzufügen? An die vielen Kritiker da draußen?

Rösemeier: Alle Hunde, die ich vermittel, sind komplett vom Tierarzt durchgecheckt, gechipt, entwurmt und natürlich geimpft. Alles andere ist in Absprache. Ich vermittle nicht an jeden und es wird ganz stark selektiert. Ich habe auch schon Anfragen abgelehnt, wenn es nicht passt. Wenn ein 79 Jähriger einen jungen Labrador haben will, dann passt das einfach nicht zusammen. Das Wichtigste ist, dass die Bedürfnisse des Hundes befriedigt sind. Wenn jemand nicht mehr spazieren gehen kann, dann kann er sich keinen Hund halten. Ich betreibe mit BlueBello kein Hunde- oder Tierquälerei, sondern vermittle den passenden Hund an ältere Menschen und betreue sowohl Mensch als auch Hund.

Frau Rösemeier, ich danke Ihnen für das freundliche und sehr aufschlussreiche Gespräch!

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