Ich weiß gar nicht wie ich so einen Artikel beginnen soll. Und im Grunde genommen weiß ich nicht einmal warum ich ihn schreibe. Vielleicht um das, was uns in den letzten Monaten passiert ist und mir heute wieder so deutlich vor Augen geführt wurde, von der Seele zu schreiben? Vielleicht weil ich manchmal selber nicht weiter weiß? Vielleicht weil ich Angst vor diesem einen bestimmten Tag habe, der irgendwann kommen wird, auch wenn ich überhaupt nicht daran denken möchte? Vielleicht weil dieser eine Tag schneller kommt, als ich wahrhaben möchte? Weil er alles verändern wird? Weil ich so unendlich viel Angst davor habe? Wenn morgens keine Fellnase mehr am Bett steht? Wenn das Körbchen für immer leer bleibt? Wenn mir keiner mehr mit seinen Blicken die Wurst vom Brot nimmt?

Beim Schreiben dieser Sätze laufen mir die Tränen. Es tut so verdammt weh. Mailo liegt neben mir und guckt mich an, als würde er sagen wollen, hey Frauchen, mach dir nicht solche Gedanken. Ich bin doch da. Alles ist gut.

Es begann im Mai

Im Mai haben wir ein wunderschönes Wochenende in Würzburg verbracht. In der darauffolgenden Woche, der Schock. Mailo konnte eines Morgens nicht mehr laufen. Die Hinterhand kippte immer wieder weg. Schwankend und mit Ach und Krach, erledigten wir das morgendliche Pipi. Frühstück essen ging dann erstaunlich gut – typisch Mailo, bei ihm geht alles durch den Magen und auch insgesamt wirkte er völlig normal. Nur die Motorik, die funktionierte nicht. Da ich, und das werden jetzt vermutlich die wenigsten verstehen, nicht einfach meinen Job an den Nagel hängen und direkt zum Tierarzt fahren kann, zumal Mailo nicht in Lebensgefahr war (das wäre natürlich eine völlig andere Situation!), musste der Termin auf den Abend verschoben werden. Mailo verbrachte den Tag mit Schlafen und durch die Wohnung wanken, wobei es am Abend schon deutlich besser war. Er stand auf allen Vieren und bewegte sich halbwegs normal.

Ein paar Tage nach diesem Vorfall war Mailo wieder ganz der Alte und wir natürlich überglücklich. Bis vor zwei Wochen. Die ganze Geschichte wiederholte sich, wenn auch nicht ganz so dramatisch und bereits nach einem Tag war wieder alles in Ordnung.

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Ich rechnete mit dem schlimmsten

Bis heute Nachmittag. Von jetzt auf gleich fing Mailo an zu schwanken, knickte die rechte Vorder- und Hinterpfote ein und lief nicht mehr auf seinen Ballen, sondern der Oberseite seiner Pfötchen. Er lief total unkoordiniert über ein kurzes Stück, dann lies er sich fallen. Ich war den Tränen nahe und rief sofort Björn an. Während ich auf Björn wartete, setzte ich mich neben Mailo und gab ihm Trostleckerlis. Ich rechnete mit dem schlimmsten. Kaum kam Björn um die Ecke, stand Mailo auf und lief völlig normal auf ihn zu. Ich traute meinen Augen kaum und war kurz davor Freudentränen zu vergießen.

Er ist ein Opa

Jetzt ist er wieder ganz der Alte. Oder doch nicht? Rede ich mir das nur ein? Will ich es nicht wahrhaben? Ja, ein bisschen schon. Mailo ist ein richtiger Opa geworden und er hat über den Sommer extrem abgebaut. Ich denke, keiner will wahrhaben, wenn das geliebte Tier alt wird, körperlich abbaut und irgendwann die Frage der Fragen ins Haus steht. Wir haben schon vor sehr langer Zeit besprochen, was wir uns für Mailo wünschen. Als noch alles gut war. Als das Thema noch ganz weit weg war. Als wir noch objektiv darüber sprechen konnten. Als es noch nicht so nah war. So nah wie jetzt.

Es tut so unglaublich weh zu wissen, dass mein bester Freund, der mich seit über 10 Jahren begleitet, irgendwann von mir gehen wird. Es versetzt mir einen Stich ins Herz, dass das „irgendwann“ nicht mehr in ferner Zukunft sein wird, wie noch vor ein paar Jahren. Das ist das Leben und das gehört dazu. Natürlich. Dennoch ist er nicht irgendein Tier. Nicht irgendein Hund. Er ist mein bester Freund, er ist immer für mich da, er hört mir zu, wenn auch auf seine Art und Weise, wir haben so unfassbar viele Sachen zusammen erlebt und ja, so manches Mal habe ich mich auch ganz schön über ihn geärgert.

Ich wünschte er könnte für immer bei mir bleiben. Ich liebe ihn über alles.

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