Die Pferdebesitzer diskutieren jedes Jahr aufs neue, ob scheren und eindecken jetzt sinnvoll ist oder nicht. Die Hundebesitzer sind da schon mal ein ganzes Stück weiter, weil sie diskutieren nicht über das Scheren, sondern nur über das Eindecken, oder der Frage nach dem Hundemantel – ja oder nein?

Für mich persönlich kam ein Hundemantel nie in Frage, im Gegenteil! Ich gehörte auch zu denen, die das ganz gerne belächelt haben. Zugegebenermaßen, ist es manchmal aber auch schon lustig, wenn die Bulldogge im pinken mit Strass verziertem Mäntelchen daher kommt. Meine Meinung hat sich geändert, als Mailo älter wurde. Er hat nicht sichtlich gefroren oder so, aber er muss den einen oder anderen winterlichen Abend im Stall verbringen. Dort liegt er zwangsläufig auch viel rum und ich bin der Meinung, dass es ihm mit einem Mäntelchen besser geht. Allerdings ein cooler Mantel, funktional und einfach zum anziehen. Alles andere an Klimm Bimm brauchen wir nicht, und stört nur. Wir gehen ja nicht zur Modenschau, sondern in den Stall. Mailo trägt sein Mäntelchen auch fast ausschließlich im Stall. Bei normalen Spaziergängen braucht er es nicht, da er langes Fell mit Unterwolle hat und sich auch ausreichend bewegt.

Ich habe in verschiedenen Gruppen auf Facebook gefragt, ob ihr einen Hundemantel anzieht oder nicht oder eben manchmal. Das Ergebnis hat mich dann echt überrascht! In dem sehr guten Artikel von Jasmin Wagner, heißt es am Ende noch „Haben Sie Mut zum Hundemantel, ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund viele schöne Winterspaziergänge“. Leider steht nirgendwo von wann der Artikel ist, aber er muss schon älter sein. Nach meiner Umfrage, sind 60% der Hundehalter heutzutage einem Mäntelchen gegenüber prinzipiell nicht abgeneigt. 19xx war das definitiv noch anders. Ich kann das nicht genau bejahren, weil ich nirgendwo eine Angabe gefunden habe, wann der erste Hundemantel auf dem Markt war. Aber ich habe in verschiedenen Foren gelesen, dass es zumindest in den Jahren 2001/2002 noch schwierig war einen Mantel für große Hunderassen zu finden, woraus ich jetzt mal schlussfolgere, dass die Hundemantelindustrie erst in den Jahren zuvor entstanden ist. (Wenn jemand dazu genaue Zahlen hat, dann schreibt mir doch bitte.)

Es handelt sich hierbei nicht um eine wissenschaftliche Studie!
Es wurden Hundehalter bei Facebook befragt und insgesamt haben 155 Leute ihre Stimme abgegeben.

Welche Hunde brauchen einen Mantel?

Um das gleich vorweg zu nehmen, ich rede hier ausschließlich von Hunden, die in der Wohnung oder im Haus gehalten werden und nicht von Hofhunden, die eh immer draußen sind.

Hunde haben, wie wir Menschen auch, ein unterschiedliches Kälteempfinden. Es gibt einfach Hunde, die im Winter frieren und daran lässt sich auch nicht rütteln. Bei uns Menschen gibt es ja auch einige, denen immer kalt ist und andere, die bei Minusgraden gerade mal ein leichtes Jäckchen überziehen. Und so ist es auch beim Hund.

Welche Hunde jetzt besonders anfällig für Kälte sind, lässt sich schwer sagen, weil das natürlich immer individuell ist. Deswegen muss jeder seinen Hund beobachten und selbst einschätzen, ob er friert. Typische Anzeichen sind, wenn der Hund sich beim Gassi gehen verspannt, den Rücken hochzieht oder gar den Schwanz einklemmt. Der Hund zeigt mehr als deutlich, dass er friert, wenn er gar nicht erst die Wohnung verlassen will oder wenn er sogar zittert.

Wie bereits gesagt, ist es natürlich individuell, ob ein Hund friert oder nicht. Es gibt aber einige Rassen, die eher kälteempfindlich sind, wie z.B. der Dobermann, der Weimaraner oder die Dogge, weil sie kurzhaarig sind und dadurch keine Unterwolle haben. Neben den kurzhaarigen Rassen, sind oft auch Hunde mit kurzen Beinen kälteempfindlich, wie z.B. der Chiwawa oder der Yorkshire Terrier, weil der empfindliche Bauch sehr viel näher an der Nässe ist wie bei anderen Rassen. Aber auch langhaarige Rassen können empfindlich auf Kälte reagieren, wenn z.B. die Unterwolle nicht gut ausgebildet ist oder auch wenn Nässe bis auf die Haut durchdringt, was bei langen Spaziergängen im Regen durchaus der Fall sein kann. Wir kommen dann nach Hause und ziehen uns trockene Sachen an, aber der Hund kann sein Fell nicht ausziehen und zum trocknen aufhängen.

Eine andere wesentliche Rolle spielt das Alter des Hundes. Generell sind Welpen und ältere Hunde kälteempfindlicher. Das hängt beides mit dem Immunsystem zusammen, welches bei Welpen noch nicht und bei älteren Hund nicht mehr vollständig ausgeprägt ist. Gerade bei den grauen Schnauzen kommen oftmals noch Erkrankungen wie Muskelschwund oder Arthrose hinzu, wodurch der Hund sich nicht mehr ausreichend bewegen kann um sich selber warm zu halten. Auch hier lässt sich wieder sehr gut der Vergleich zu älteren Menschen ziehen, die auch meistens frieren. Generell gibt es Erkrankungen, wie z.B. Nierenleiden oder Gelenkkrankheiten, wo sich der Hund sichtbar wohler fühlt, wenn er einen Mantel tragen darf, einfach weil er wohlig warm gehalten wird.

Weiterhin spielt die Herkunft des Hundes eine Rolle. Ein Hund, der die ersten 3 Jahre seines Lebens irgendwo im Mittelmeerraum verbracht hat, der findet den grauen und feuchten Winter in Deutschland meistens ätzend und es wird ein paar Winter dauern bis er sich dran gewöhnt hat. Auch die Menschen, die ursprünglich aus wärmeren Ländern kommen, frieren sich bei uns buchstäblich den Arsch ab, während hingegen in England bei 10°C noch Flip Flops getragen werden – schließlich scheint ja die Sonne.

Dann gibt es noch die sportlichen Hunde. Wer mit seinem Hund auch im Winter den Trainingsplatz besucht um beispielsweise Agility oder Turnierhundesport zu machen, der sollte in den Verschnaufspausen entweder seinen Hund in Bewegung halten oder ihm ein Mäntelchen überziehen. Dadurch bleibt die Muskulatur warm und das wiederum vermindert das Verletzungsrisiko. Das macht der Mensch schließlich auch so: Wenn ich im Winter in der Halle reite, dann meist nur im Pullover. Sobald ich aber fertig bin oder länger Schritt reite, ziehe ich mir eine Jacke über.

Generell können immer irgendwo Wartezeiten auftreten, in denen es sinnvoll sein kann, dem Hund ein Mäntelchen überzuziehen. Das kann nicht nur beim Hundetraining sein, sondern auch beim Agility Winterturnier, wo man oft stundenlang in einer unbeheizten Reithalle zu bringt, das kann bei längeren Wartezeiten des Hundes im Auto sein oder wie bei mir, wenn der Hund mir von der Seite aus beim Reiten zu schauen darf – na gut, muss.

Mailo hat übrigens den Hundemantel Amy, aber ich glaube, wenn ich nochmal die Wahl hätte, dann würde ich jetzt das Modell Benno kaufen, weil die Passform mir mehr zusagt (beide von Loesdau).


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