Mailo und wir waren im vergangenen Sommer für zwei Wochen zu Gast in der alten Heimat und besuchten meine Eltern. Hier hatte sich Mailo jedoch angewöhnt beim Gassigehen immer an die gleiche Stelle neben dem Buchsbaum zu pieseln. Zuerst dachten wir uns nichts dabei. Als die zwei Wochen jedoch rum waren, zeigte sich an genau dieser Stelle erst ein gelber, dann ein brauner Fleck im Rasen, ungefähr in der Größe einer Frisbee. Der Urin eines Hundes scheint auf Dauer wie ein Strahl des Todes auf den Rasen zu wirken. Im Übrigen gehe ich auch ohne Selbstversuch davon aus dass menschlicher Urin dieselbe Wirkung erzielt.

Was war passiert?

Man spricht im Allgemeinen davon, dass an dieser Stelle der Rasen „verbrannt“ ist. Es erinnert ja auch an Gras auf dem vorher mit einer Aluschale gegrillt wurde. Natürlich ist der Rasen durch Mailos Urin nicht wirklich verbrannt, aber Tod ist er definitiv.

Aber heißt es nicht, dass Urin wie ein Dünger wirkt?

In der Tat kann man Urin ohne Probleme als Dünger für seine Garten- oder Balkonpflanzen verwenden. Schaut man jedoch in die entsprechende Literatur wird schnell klar, dass unverdünnter Urin zu einer Überdüngung führen kann. Der Urin eines Hundes kann es nämlich ohne weiteres mit einem industriellen Rasendünger aufnehmen, wenn wir die wichtigen Makroelemente Phosphor, Kalium und vor allem Stickstoff betrachten. Letzterer ist in großen Mengen in Form des Harnstoffs vorhanden und wird im Boden in Nitrat und Ammoniak umgewandelt. Daher wird empfohlen den Urin mindestens 1:10 zu verdünnen. Zusätzlich heißt es beim Rasendünger „1 bis 3 Düngergaben im Jahr“ und nicht wie bei unseren geliebten Vierbeinern mehrmals am Tag. Auch hier stimmt also „Alles in Maßen“, sonst habe ich bald ein Grillplatzimitat im Garten.

Für alle die es genauer wissen möchten: Biologischer Exkurs

Die Pflanzen nehmen das Wasser über die Wurzeln auf. Die Ionen und Salze des Düngers (in unserem Falle der Urin des Hundes), werden im Wasser gelöst und somit von der Pflanze aufgenommen. Das ist zum einen deswegen möglich, weil die Wurzel aktiv die Makro- und Mikroelemente in die Wurzel transportiert und zum anderen weil Wasser immer zum Ort wandert an dem eine höhere Konzentration an Salzen vorliegt. Das ganze bezeichnet man als das physikalische Prinzip der Osmose.

Einen ähnlichen Effekt habt ihr übrigens in der Badewanne. Die Haut sieht zwar schrumpelig aus, aber nicht weil wir Wasser verlieren, sondern weil wir Wasser aufnehmen. Stellt euch nun vor man würde euch in eine hochkonzentrierte Salzlösung legen. Schon bald würdet ihr wie eine Dörrpflaume aussehen, weil das Wasser aus eurem Körper in die euch umgebende Salzlösung wandert.

Dem Rasen ergeht es ähnlich. Das Gras stirbt ab, weil der Boden durch den Urin des Hundes zu viel Salz enthält und die Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen können, evtl. sogar Wasser aus der Wurzel in den Boden wandert.

Vereinfacht gesagt – der Rasen verdurstet.

Zusätzlich kommt es noch zu Störungen im Ionenhaushalt und in verschiedenen Stoffwechselwegen, die die Pflanze zusätzlich belasten.

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Schön und gut. Aber wie kann man dem Vorbeugen?

Wenn ab und an ein Hund auf dieselbe Stelle pieselt, kann der Rasen damit locker umgehen. Im gewissen Maße wirkt der Urin des Hundes sogar wirklich wie Dünger. Leider haben unsere Vierbeiner die Angewohnheit alle an der gleichen Stelle zu markieren. Das ist ein ganz normales Revierverhalten. Eine Hilfsmaßnahme kann sein einen bekannten „Piesel Hotspot“ immer gut zu Wässern um den Urin, wie oben bereits besprochen, zu verdünnen bzw. die Salze auszuschwemmen.

Für die ganz verzweifelten gibt es auch Granulate, die auf den Rasen gestreut werden und mit einem intensiven Duft, beispielsweise Lavendelöl, den Hund vom Rasen fernhalten sollen. Ein nicht ganz ernst gemeinter aber kreativer Vorschlag ist am Piesel Hotspot salzliebende Pflanzen, sogenannte Halophyten, auszusäen, die viel besser mit hohen Salzkonzentrationen umgehen können als unser allgemeiner Standardrasen.

Was mach ich wenn’s passiert ist?

Habt Ihr bereits einen braunen Fleck, dann könnt Ihr einfach warten bis sich der Rasen an der Stelle der Urinattacke von selbst erholt hat. Mit der Zeit werden die Salze durch den Regen aus der Erde ausgewaschen und verteilen sich. Das hat zumindest bei dem Gras beim Buchsbaum meiner Eltern gut funktioniert, auch wenn es ein knappes Jahr gedauert hat bis nichts mehr zu sehen war. Wer jedoch nicht so lange warten möchte, der kann die obere Erdschicht abnehmen und durch neuen Boden ersetzen. Gras aussäen und sich daran erfreuen wie es wächst.

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