Bezüglich der Erziehung sind Hunde ein bisschen wie Kinder: hat man noch keinen eigenen Hund weiß man in der Regel alles besser, und ist der erste Hund dann eingezogen, macht man doch sehr viel falsch. Wie ich aber im folgenden auch erläutern werde, kann man nicht alle Hunde über einen Kamm scheren und jeder muss als Individuum betrachtet werden.

Ganz oben auf meiner Hitliste der Erziehungsfehler steht die Inkonsequenz. Und ja, ich war bei Mailo am Anfang auch verdammt inkonsequent, und wenn ich mir das heute so anschaue, bin ich das auch immer noch ein bisschen. Mailo ist deswegen kein ungehorsamer oder gar schlecht erzogener Hund. Er ist vom Gemüt her so, dass er viel verzeiht, aber andere Hunde wären da ganz anders.

Fallbeispiel Nr. 1:

Ich gehe zusammen mit einer Freundin spazieren, wir unterhalten uns über alles mögliche und näheren uns dann einer Straße. Mailo läuft voraus. Ich rufe ihn mit dem Kommando „Mailo, komm her!“ Mailo, bleibt zwar stehen, kommt aber nicht. Das Gespräch mit der Freundin wird fortgesetzt, weil Mailo angehalten hat und die Gefahr auf die Straße zu laufen, nicht mehr besteht. Ich muss dazu sagen, dass Mailo auch gelernt hat an jeder Straße anzuhalten und auf mein Kommando erst zu überqueren. Trotzdem ist mein Verhalten ganz klar inkonsequent! Das Kommando hieß „Komm her!“ und dem ist er nicht gefolgt.

Bei jungen Hunden – Mailo ist schon 11 Jahre alt – kann so ein Verhalten des Hundeführers einen großen Rückschritt in der Hundeerziehung bedeuten. Warum? Aus Hundesicht hat der Mensch Regeln aufgestellt, die eigentlich besagen bei dem Kommando „Komm her“ eben zu kommen. An diese Regeln hält sich der Mensch nun nicht und der Hund wird sich in der nächsten Situation unter Umständen für das entscheiden, was er möchte. Schließlich muss er ja nicht immer gehorchen.

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Fallbeispiel Nr. 2:

Dies ist ein absoluter Klassiker, ist mir sicher auch passiert, sieht man aber oft bei Leuten, die tatsächlich das erste Mal einen Hund erziehen. Das Kommando „Platz“. Der Hund macht Sitz und wird belohnt. Spricht man die Hundehalter auf das Fehlverhalten an, kommt häufig die Antwort: „Aber er hat doch so brav „Sitz“ gemacht!“ Ja, super – nur war leider „Platz“ verlangt.

Ich denke es ist jedem einleuchtend, dass man dem Hund so kaum korrekte Grundkommandos beibringen kann. Ich kann meinen Hund natürlich erst loben, wenn er auch das macht, was ich von ihm verlange.

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Fallbeispiel Nr. 3:

Darf der Hund ins Bett? Oder auf das Sofa? Das muss jeder selbst entscheiden. Ich vertrete nicht die Ansicht, die Rangordnung sei gestört nur weil die Fellnase mit im Bett schläft. Das Problem entsteht, wenn der Hund mal ins Bett darf und mal nicht. Woher soll der Hund wissen, wann Frauchen (oder auch Herrchen) einen Bedarf nach kuscheln hat und wann nicht?

Das ist ein Punkt, wo ich auch ganz gerne inkonsequent bin. Als Mailo beispielsweise sein verletztes Pfötchen hatte durfte er ab und an mit aufs Sofa. Klar, war das nicht unbedingt richtig, weil er es eben im Normalfall nicht darf, und ja, meine Begründung wäre: „Er hat es doch gerade so schwer und guck mal wie süß er schaut!“ Bei meinem Hund, der aber schon fast 10 Jahre an meiner Seite ist, weiß ich, dass ich so etwas durchaus mal machen kann und er mir die Inkonsequenz verzeiht, und sich nicht direkt als Sofakönig sieht.

Aber auch hier gilt, wie oben bereits angesprochen, es kommt auf den Hund an! Ein junger Hund, der gerade lernt und erzogen wird, der gerade eine Beziehung zu seinem Rudel aufbaut, wird sich hier unter Umständen anders verhalten, als ein Mailo.

Fallbeispiel Mailo – ein Senior

Gerade bei älteren Hunden ist es extrem wichtig die Erziehung nicht schleifen zu lassen. Hunde, und gerade ältere Hunde, die man nicht mehr durch stundenlanges Ballspielen auspowern kann, wollen trotzdem gefördert werden. Geistig. Ich mache mit Mailo bei jedem Spaziergang diverse Unterordnungsübungen, und da gilt bei „Komm her“, dass er direkt kommt. Und nicht erst beim 5. Mal oder eben gar nicht. Mailo merkt auch sehr genau den Unterschied, ob meine Aufmerksamkeit zu 100% auf ihn gerichtet ist, oder ob ich mich, nebenbei, noch mit der Freundin unterhalte. Schlussendlich hat ein älterer Hund aber genauso zu gehorchen wie jüngere Hunde, und im Zweifel, wenn das Gehör nicht mehr so gut funktioniert, über Handzeichen. Die man seinem Hund hoffentlich im Laufe der Erziehung beigebracht hat.

Als kleines Fazit

Die Welt geht nicht unter, wenn man mal inkonsequent ist. Aber jeder sollte sich dessen bewusst sein, und wenn Probleme in der Erziehung auftreten, sein Verhalten auch mal kritisch hinterfragen. Keiner von uns ist perfekt, aber wir alle wünschen uns einen gut erzogenen Hund, also sollten wir nicht nur mit unseren Hunden arbeiten, sondern auch an uns.

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