Miete einen Hund. Das klingt wie ein schlechter Scherz. Leider nein. Einen Hund zu mieten ist ein Trend aus den USA – natürlich – der gerade nach Deutschland schwappt. Gerade ist übertrieben, denn das Unternehmen BlueBello – mein Partnerhund auf Zeit geführt von Katrin Rösemeier gibt es schon seit 2013. Der Begriff „Miethund“ wurde auch ganz schnell in „Partnerhund“ umgewandelt, denn es gab zahlreiche Proteste von Tierschützern zu dieser fragwürdigen Geschäftsidee. Aber ist sie eigentlich so fragwürdig? Anscheinend nicht, denn laut der Osnabrücker Zeitung hat Katrin Rösemeier mittlerweile Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet, vor allem ältere Menschen.

Als ich von dem Geschäftsmodell „Leihhund“ hörte, war meine erste Reaktion genau dieselbe wie bei den meisten anderen. Das geht gar nicht! Ist absolut unverantwortlich! Aber ich versuche Sachverhalte immer kritisch zu durchleuchten und zu hinterfragen. BlueBello richtet sich in erster Linie an ältere Menschen. Frau Rösemeier schreibt, dass die 3 Generationen Haushalte schon lange vorbei sind, sehr viele Menschen alleine alt werden müssen und dadurch vereinsamen. Da stimme ich ihr voll und ganz zu! Aber ist nun ein Partnerhund die richtige Methode?

Was denkt man zuerst, wenn man von einem Leihhund hört? Das man irgendwo hingeht, viele Hunde zur Auswahl hat und dann einen für z.B. 2 Wochen auswählt. So wie man sich ein Auto leiht. Das ist aber ganz und gar nicht das Konzept von BlueBello. Bevor man einen Hund bekommt, wird man von einem BlueBello Mitarbeiter bei sich zu Hause besucht, es gibt ein ausführliches Gespräch und dann wird ein Hund ausgewählt der zu den entsprechenden Lebensumständen passt. Dieses Erstgespräch müssen die Interessenten sogar bezahlen, was ich persönlich ziemlich gut finde, weil sich dadurch hoffentlich wirklich nur Leute melden, die ein echtes Interesse an einem Hund haben. Neben den 150 Euro pro Monat, die der Partnerhund kostet, kommt auch noch ein einmalige Gebühr von etwa 500 Euro dazu (Quelle: noz.de).

Ein weiterer Vorwurf der Tierschützer ist, dass es unter Umständen dazu kommen kann, dass ein Hund innerhalb kurzer Zeit viele Besitzer hat. Das ist ein Punkt, dem auch ich sehr skeptisch gegenüber stehe, weil es natürlich das Konzept von BlueBello ist, dass der Hund jederzeit zurückgegeben werden kann. Andererseits denke ich, dass gerade ältere, einsame Menschen wirklich alles für ihren Hund tun und ihn erst im absoluten Notfall zurückgeben würden. Es ist aber definitiv nicht so, wie es in einem Bericht von RTL hieß, dass die Hunde monatlich vermietet werden. Die Hunde sollen auf lange Sicht ein zu Hause haben! Es soll aber gerade älteren Menschen die Möglichkeit geben, dass sie den Hund abgeben können, wenn sie sich nicht mehr um ihn kümmern können. Der Hund kommt dann in eine neue Familie und nicht in ein Tierheim. Übrigens stammen alle Partnerhunde bei BlueBello aus Familien, die ihre Hunde abgeben haben – also Tiere, die sonst im Tierheim gelandet wären.

Viele ältere Menschen, würden sich gerne einen Hund halten, haben aber Angst davor, dass sie sich irgendwann nicht mehr um das Tier kümmern können und der geliebte Vierbeiner dann in ein Tierheim muss. Das Geschäftsmodell von BelloBlue wirkt genau dem entgegen. An Senioren können Hunde vermittelt werden, die aber nicht in deren Besitz übergehen. Dadurch, dass BlueBello außerdem das Futter persönlich vorbeibringt, wird ganz nebenbei auch regelmäßig die Wohnsituation von dem Hund überprüft.

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Mein persönliches Fazit

Als erstes muss ich sagen, dass ich die Begriffe aus der Zeitung „Miethund“ oder „Leihund“ extrem irreführend finde. Natürlich ist es inhaltlich nicht verkehrt, aber von einer Vermietung eines Hundes kann man bei BlueBello nun wirklich nicht sprechen. Grundsätzlich finde ich das Konzept aber gar nicht so schlecht, wenn die Sachen, die Katrin Rösemeier auf ihrer Webseite verspricht stimmen. Natürlich muss darauf geachtet werden, dass ein Hund nicht ständig die Familie wechselt, aber ich finde es schlussendlich immer noch besser, als wenn der Hund im Tierheim landet. Genauso, wie diese Art der Vermittlung sicher nicht mit jedem Hund funktioniert und die Vierbeiner gewisse Charaktereigenschaften mitbringen müssen.

Dennoch sollten Senioren, die von einem Hund träumen, auch in Betracht ziehen, dass es zahlreiche andere Möglichkeiten gibt, sich um Hunde zu kümmern. Gerade in den Großstädten suchen Berufstätige immer wieder eine Betreuungsmöglichkeit für ihren Hund und auch in Tierheimen kann man in der Regel Hunde ausführen. Weiterhin gibt es viele Tierschutzorganisationen die Pflegestellen suchen, oder auch ältere Hunde speziell an Senioren vermitteln.

Eher problematisch finde ich die Tatsache, dass es in der nächsten Zeit unter Umständen einige Neugründungen von „Rent-a-dog“ Unternehmen geben könnte. Während ich das System von BlueBello grundsätzlich nicht verkehrt finde, ist es nur eine Frage der Zeit bis Unternehmen auftauchen, die wirklich wöchentlich oder gar täglich Hunde vermieten. Das wäre absolut fatal, weil ein Hund keine Ware ist, die rumgereicht wird. Übrigens ist dies genau das, was in der USA der Fall ist: man kann den Hund stundenweise mieten – ein abolutes no go!

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