Der Hund – eine Lebenseinstellung

Ein Leben mit Hund ist weit mehr als ein Hobby. Ein Hobby lasse ich mal zwei Wochen im Keller stehen, weil ich keine Zeit oder keine Lust habe mich damit zu beschäftigen. Ein Leben mit Hund dagegen ist eine Lebenseinstellung. Für mich bedeutet dieses Leben, dass ich gewählt habe jedoch auch, dass ich meinen Hund so oft wie möglich um mich haben möchte, dass ich so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen möchte. Die Entscheidung euer Leben mit einem Hund zu teilen wird daher auch euer ganzes Leben beeinflussen. Tags, nachts, in eurer Freizeit und ihr könnt es euch sicher denken, auch während eurer Arbeit.

Unsere Verpflichtungen im Alltag

Dabei ist die Berufstätigkeit mit Hund besonders interessant. Warum? Weil ihr euer Leben um eine große Dimension erweitert. Ihr seid verpflichtet eurem Hund gerecht zu werden, auf der anderen Seite habt ihr euch durch einen Arbeitsvertrag verpflichtet eurem Arbeitgeber gerecht zu werden. Diese Konstellation können wir nun noch beliebig erweitern. So seid ihr auch verpflichtet, je nach Lebenssituation, euren Kindern gerecht zu werden, eurem Partner, Freunden, Verwandten und ganz wichtig, euch selbst. Der Beruf nimmt jedoch eine Sonderstellung ein. Seid ihr nicht als Selbständige unterwegs, wie 90% der Deutschen, dann ist in eurem Arbeitsleben ziemlich genau geregelt, was ihr wie lange und wo zu machen habt. Diese Verbindlichkeiten sind eurem Arbeitgeber auf keinen Fall übel zu nehmen, denn sie sind für ihn überlebenswichtig. Und ihr wollt ja auch, dass euer Arbeitgeber in einigen Jahren noch existiert und euer Gehalt bezahlt. Oder? Auch mit neueren Entwicklungen der Arbeitswelt wie Gleitzeit oder Homeoffice bleibt der Beruf daher für die meisten ein eher unflexibler Teil ihres Lebens.

Das Bewusstsein zur Veränderung

Im Privatleben gibt es wiederum flexible und unflexible Bereiche. Kinoabend mit Freunden? Flexibel. Tochter zum Kindergarten bringen? Nicht verhandelbar! Mit dem Partner Essen gehen? Flexibel. Mit dem Hund Gassi gehen? Ein Muss! Der Übergang zwischen flexibel und unflexibel ist oft fließend und für jeden individuell.

Aber worauf will ich hinaus?

Stellt euch vor ein flexibler und ein unflexibler Teil eures Lebens prallen aufeinander. Im Zweifelsfall wird immer der flexible Teil eures Lebens nachgeben und zurückstecken müssen. Ein Beispiel: Ihr wart arbeiten und der Hund ist bereits einige Stunden alleine zu Hause. Nun werdet ihr von Freunden ins Kino eingeladen. Kurzfristig einen Hundesitter zu organisieren ist eventuell nicht möglich. Und viel wichtiger, wollt ihr das überhaupt? Denn eigentlich freut ihr euch auf euren Vierpfoter und möchtet gerne Zeit mit ihm verbringen. Denn immerhin seid ihr jetzt Hundler und das ist eine Lebenseinstellung. Also wird es darauf hinauslaufen, dass ihr die Einladung ausschlagt oder einen Kompromiss vorschlagt wie beispielsweise Kinoabend zu Hause, Termin verschieben oder ähnliches.

Wer also denkt, dass sein Leben mit Hund einfach so weiter läuft, bloß jetzt mit Hund, ist schief gewickelt. Die flexiblen Bereiche eures Lebens werden sich teilweise dramatisch verändern. Nicht alle Freunde werden euren Lebenswandel so locker akzeptieren und wenn euer Partner nicht mit an Bord ist, wird das eine „interessante“ Zeit für euch beide werden. Hunde sind im Schwimmbad verboten und an vielen Badeseen. Auch in manchen Restaurants oder Elektromärkten sind Hunde nicht erlaubt. Sogar in manchen Geschäften bei denen ich es ganz sicher nicht erwartet hätte wie beispielsweise in einem namenhaften Reitsportladen. Den ganzen Tag in der Innenstadt shoppen gehen? Euer Hund kann sich bestimmt etwas Schöneres vorstellen.

Vereinbarkeit von Hund und Arbeit

Zum anderen müsst ihr die unflexiblen Bereiche eures Lebens betrachten. Also zum Beispiel eure Arbeit. Seid ihr in der Lage euren Beruf mit einem Hund in der Familie zu vereinbaren? Wer durch die Arbeit wochenlang im Ausland unterwegs ist, sollte sich fragen ob er die Verpflichtung gegenüber seinem Hund wirklich erfüllen kann. Wer nach einer 60 Stunden Woche auch noch das Wochenende im Büro verbringt, sollte erstmal an seine eigene Gesundheit denken bevor die Anschaffung eines Hundes auf die Agenda gesetzt wird. Schafft ihr es auch vor der Arbeit noch ausreichend Gassi zu gehen? Bei Wind und Wetter? Im Winter unter Umständen im Dunklen? Was macht der Hund während ihr arbeitet? Und habt ihr auch die Muse und Zeit euch nach der Arbeit ausreichend mit ihm zu beschäftigen? Seid ihr bereit euren Arbeitsurlaub zu opfern um euren Hund beispielsweise nach einer OP zu betreuen?

Sind zwei unflexible Bereiche eures Lebens nicht vereinbar, dann muss, wohl oder übel, eines davon gehen. Bevor ihr also in ein Dilemma zwischen Beruf und Hund kommt, müsst ihr euch vorher diese Gedanken machen.

Ihr müsst euch selber drei Fragen stellen

Seid ihr bereit flexible Bereiche eures Lebens zu ändern, zurückzustellen oder sogar aufzugeben?

Ist es möglich eure Arbeit mit eurem Hundlerleben zu vereinbaren bzw. könnt ihr euch vorstellen zum Beispiel nach dem Studium einen Beruf auszuüben der mit einem Hund vereinbar ist?

Seid ihr euch bewusst, dass das kein Zuckerschlecken ist, sondern der Hundleralltag einiges von euch abverlangen wird?

Herzlich Willkommen

Ihr habt nach reiflicher Überlegung auf alle drei Fragen mit ja geantwortet.

Wirklich? Seid ihr euch absolut sicher? Zu 100%?

Dann wünschen wir euch herzlich willkommen zum schönsten Leben auf der Welt. Dem Hundlerleben.

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Aktion: Schattenseiten der Hundehaltung

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „Schattenseiten der Hundehaltung“ organisiert von verschiedenen Hundebloggern und -YouTubern.


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