Vor einiger Zeit habe ich einen ganz merkwürdigen Bericht gelesen. Es ging darum, welcher Hund zu wem passt. Es gab z.B. die Golden Retriever als „Familienhunde“, die Border Collies für die „Sportlichen“ und unter anderem den Papillon in der Sparte „Stadthunde“. Das ist natürlich alles richtig, aber bei den Stadthunden waren nur kleine bis winzige Hunde aufgelistet, was ich doch etwas misslungen finde.

In München gibt es seit über einem Jahr so eine diskriminierende Hundeverordnung für Menschen wie mich mit einem großen Hund (An die Leine, fertig, los!). Laut der Verordnung müssen alle großen Hunde, ab 50 cm Schulterhöhe, im Innenstadtbereich und öffentlichen Verkehrsmitteln an die Leine. Was ist das für eine willkürliche Regelung? Für mich gehören im Innenstadtbereich ausschließlich alle Hund an die Leine. Warum? Weil die Innenstadt keine Hundewiese ist, weil dort in der Regel sehr viele Menschen unterwegs sind und nicht jeder Hunde leiden kann. Genau das gleiche gilt für öffentliche Verkehrsmittel. In einigen Städten gibt es sogar eine Maulkorbpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und in München darf der kleine Pfiffi ohne Leine mitfahren. Finde ich absolut nicht in Ordnung.

Das wirkt jetzt so, als ob der kleine Pfiffi, dann doch besser geeignet ist als Stadthund, als der große Goldie-Mischling. Egal ob groß oder klein! Der zukünftige Stadthund muss zu einem selbst passen. Das heißt, ich muss mir selber die Frage stellen, was ich meinem Hund bieten kann.
Da steht natürlich an erster Stelle die Bewegung. Mailo hat mit mir schon in Hamburg, Mainz und Freiburg gewohnt – alles Großstädte. In Hamburg haben wir mitten in der Innenstadt gewohnt, aber es gab immer irgendwo einen Park und am Wochenende ging es dann raus in den Sachsenwald oder an die Elbe. In Mainz und Freiburg haben wir etwas mehr am Stadtrand gewohnt mit vielfältigen Gassigeh Strecken.
Hunde wollen außerdem gefordert werden. Ich muss mir also die Frage stellen, ob ich bereit bin, den täglichen Spaziergang zu einem Abenteuer zu machen? Bin ich bereit, mich mit anderen Hundehaltern zu treffen, damit die Hunde Kontakte knüpfen können? Auch über den Besuch einer Hundeschule sollte nachgedacht werden.
Neben Bewegung und Förderung, wollen Hunde integriert sein. Sie wollen am Familienleben teilnehmen, sie wollen dabei sein. Sie sind Rudeltiere und das Rudel sind nun einmal wir, mit dem Hund.

Freiburger Bächle – immer eine Erfrischung

Meine aufgelisten Punkte sind ziemlich eindeutig, oder? Es ist völlig egal ob ein Hund in der Stadt oder auf dem Land lebt. Auf das drum herum kommt es an. Wenn ein Stadthund jeden Tag mit Herrchen oder Frauchen zur Arbeit gehen kann, und dadurch so gut wie nie alleine ist, ist dieser sicher glücklicher als der Hund vom Land, der tagsüber in den Garten gesperrt wird. Der Stadthund der vielleicht jeden Tag die Möglichkeit hat im Park andere Hunde zu treffen, hat mehr Sozialkontakte, als der Dorfhund, der aus Faulheit und dem großen Garten hinterm Haus, vielleicht gar nicht regelmäßig ausgeführt wird.

Dennoch liest man immer wieder Argumente die gegen große Hunde in der Stadt sprechen. Meine persönlichen Highlights, die mich immer wieder zum schmunzeln bringen:

1. Große Hunde brauchen viel mehr Bewegung als kleine und das kann man ihnen in der Stadt nicht bieten.

Spontan denke ich an den Jack Russel – der braucht wahrscheinlich mehr Bewegung als so manch gemütlicher Großhund….

2. Wenn der Hund mal krank ist, muss man ihn die Treppen hochschleppen.

Das ist sicher wahr, aber man kann seine Wohnsituation ändern und in eine Erdgeschosswohnung ziehen, oder in eine Wohnanlage, wo es einen Aufzug gibt. Bis auf die Wohnung in Hamburg, hatten wir immer einen Aufzug. Wäre ich damals in Hamburg geblieben, dann hätte ich mir eine andere Wohnung gesucht. Und wie oft ist der Hund so krank, dass er nicht laufen kann?

3. Die vielen Treppen, die der Hund in der Stadt laufen muss, sind nicht gut für den Rücken.

An öffentlichen Orten, gibt es mittlerweile fast überall Aufzüge und die Wohnsituation kann man ändern.

4. Große Hunde haben Angst in einer überfüllten Innenstadt und in vollen U-Bahnen.

Auch hier muss man sein Leben mit dem Hund anpassen. Ich muss nicht Samstagnachmittag, wenn alle einkaufen gehen, in die Stadt. In der U-Bahn kann ich einen großen Hund natürlich schlecht auf den Arm nehmen. Ich kann aber von Anfang an mit meinem Hund üben, solche Situationen gelassen zu sehen.
Überfüllte Innenstädte und U-Bahnen sind prinzipiell nicht toll für den Hund – egal ob klein oder groß.

5. Bei großen Hunden braucht man viele Hundekotbeutel.

Ja, bei kleinen aber auch. Wenn man sich die Haltung eines Hundes ganz generell und dann speziell in der Stadt, wo die Hundesteuer höher ist als auf dem Land, leisten kann, dann sollten auch noch die paar Euro für Säckchen übrig sein. Außerdem gibt es gerade in den Städten viele kostenlose Kotbeutelspender.

Jeder – egal ob in der Stadt oder auf dem Land – sollte sich vor der Anschaffung überlegen, was für ein Hund zu der jeweiligen Lebenssituation passt. Aber von vornherein große Hunde als Stadthunde auszuschließen, finde ich ist absolut nicht gerechtfertigt.


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