Nur einmal kurz aus dem Zimmer gegangen und plötzlich fehlt eine Semmel vom Tisch. Durch die Krümel an der Lefze und das genüssliche Abschlecken des Bodens brauchen wir keinen Sherlock Holmes um den Hauptverdächtigen auch gleich der Tat zu überführen. Der beste Freund des Menschen, dessen Liebe zu uns gerne mal durch den Magen geht. Unser Hund.

Mailo fühlt sich schuldig

Welcher Hundler hat so etwas mit seinem geliebten Vierbeiner nicht irgendwann mal erlebt. Ich erinnere mich noch an ein Erlebnis mit Mailo. Wir waren sehr früh morgens zu einem Agility Turnier gefahren. Es war schon Herbst und noch dunkel und kalt. Umso mehr haben wir uns auf die frischen Semmeln zum Frühstück gefreut, die wir auf dem Weg gekauft haben. Dort angekommen gingen wir los um Stühle und Zelt an den Turnierplatz zu tragen. Mailo blieb kurz im Kofferraum. Wenige Minuten später waren wir wieder am Auto. Mailo saß auf dem Beifahrersitz und die Semmeln waren weg! Mitsamt der Papiertüte! Heute lachen wir über diese artistische Meisterleistung die unser Mailo da vollführt hat. Aber zu diesem Zeitpunkt hätte ich ihn am liebsten quer übers Feld gejagt. Naja! Wenigstens hatte er eingesehen, dass er was falsch gemacht hat. Wie sonst war dieser betroffene Blick zu erklären, den nur ein Hund haben kann, der seine Schuld eingesehen hat. Oder?

Sehen Hunde es ein, wenn sie etwas Unerlaubtes getan haben? Und zeigen uns das durch einen schuldigen Blick und demütiges Verhalten? Haben Hunde Schuldgefühle? Viele Hundebesitzer schwören Stein und Bein, dass sie es sofort an dem Blick und dem Verhalten ihres Vierbeiners erkennen können, wenn er wieder was ausgefressen hat. Doch ist dem wirklich so, oder bilden wir uns das nur ein? Dieser Frage sind Verhaltensforscher aus England nachgegangen. Doch wie haben die Forscher das gemacht?

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Die Testreihe

Die Wissenschaftler haben hierfür einen speziellen Versuchsaufbau geplant und geeignete Hund-Halter-Teams gesucht. Der Versuch wurde bei den Hunden zuhause durchgeführt. Die Halter platzierten ein Leckerli im Raum und machten ihrem Hund klar, dass er das Leckerli nicht fressen darf. Dann verließen sie den Raum.

Nun gab es vier Möglichkeiten:

1. Der Hund fraß das Leckerli.

2. Der Hund fraß das Leckerli. Das Leckerli wurde jedoch durch ein neues ersetzt, so dass der Halter nicht erkennen konnte ob der Hund es gefressen hatte oder nicht.

3. Das Leckerli wurde weggenommen und nicht wieder hingelegt. So sah es aus als ob der Hund das Leckerli gefressen hatte.

4. Das Leckerli wurde weggenommen aber wieder hingelegt.

Der Halter kam wieder in den Raum und sollte innerhalb von 10 Sekunden, nur durch beobachten seines Hundes entscheiden, ob er das Leckerli gefressen hatte oder nicht. Denn welche der vier Möglichkeiten in ihrem Fall angewendet wurde, wussten sie natürlich nicht. Der Versuch wurde mit jedem Hund-Halter-Team nur ein einziges Mal durchgeführt.

Wenn der Hund tatsächlich durch schuldige Blicke und demütiges Verhalten seinem Halter zeigt, dass er etwas Verbotenes getan hatte, dann würden dieser erkennen, ob der Hund das verbotene Leckerli gefressen hatte oder nicht. Was denkt ihr? Hättet ihr in einem solchen Experiment erkannt ob euer Schnuffi das Leckerli gefressen hat oder nicht?

Das erstaunliche Ergebnis

Die Hundehalter in dem Experiment konnten es zumindest nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Halter richtig lagen, war ungefähr so hoch, als ob sie einfach geraten hätten. Die Wissenschaftler schlussfolgerten daraus, dass die Hunde keinen für den Halter erkennbar schuldigen Blick oder demütiges Verhalten zeigten, wenn diese das „verbotene“ Leckerli gefressen hatten. Dies liegt wohl schlichtweg daran, dass die Hunde keine Schuldgefühle dabei hatten das Leckerli zu fressen.

Für uns ist die Vorstellung ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir etwas Verbotenes getan haben, selbstverständlich. Diese sehr menschliche Vorstellung von Moral ist Hunden fremd. Sie sind befreit von moralischen Schubladen aus „gut“ oder „schlecht“, „gütig“ oder „böse“, „hässlich“ oder „schön“ und das ist auch gut so.

Aber viele Halter beschreiben, dass ihr Vierbeiner ein demütiges Verhalten zeigt, wenn er etwas ausgefressen hat. Dies ist tatsächlich so. Jedoch geht man mittlerweile davon aus, dass der Hund nur auf unsere eigene Stimmung reagiert. Bemerken wir, dass der Hund wieder die Schuhe angefressen hat, ärgern wir uns verständlicherweise darüber. Unser Vierbeiner bemerkt unsere schlechte Stimmung und kann darauf mit demütigen Verhalten reagieren. Das hat jedoch nichts mit Schuldgefühlen oder einem Schuldeingeständnis zu tun.

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Zum Glück gibt es schlaue Menschen, die mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit versuchen unsere geliebten Vierbeiner besser zu verstehen. Dieser Artikel ist auf Grundlage der Arbeit von Ljerka Ostojić und ihrer Kollegen entstanden (University of Cambridge). Sie haben 2015 ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift BEHAVIOURAL PROCESSES veröffentlicht.


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